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NSU Wankel

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Der NSU Spider, das erste Serienauto der Welt mit dem NSU Wankel-Kreiskolbenmotor

Die Idee eines Motors ohne oszillierende Bewegungen um eine komplizierte Kurbelwelle und die notwendige Steuerung von Ein- und Auslaßventilen wurde in den 50er Jahren in einer Zusammenarbeit von dem Erfinder Felix Wankel und den NSU Motorenwerken verwirklicht. Nach vielen Spekulationen und gezielt gestreuten Indiskretionen über den neuen Motor mußte man im Januar 1960 auf einer eigens einberufenen VDI-Tagung im Deutschen Museum an die Öffentlichkeit gehen. Auf einer improvisierten Bühne wurde auf einer LKW- Pritsche der erste Kreiskolbenmotor der Öffentlichkeit vorgeführt. Zahlreiche Börsenspekulationen um die Möglichkeiten des neuen "Wundermotors" und Abschlüsse mit Lizenznehmern in aller Welt zwangen NSU kurzfristig ein serienmäßiges Fahrzeug mit dem neuen Motor vorzustellen und dessen Gebrauchstüchtigkeit unter Beweis zu stellen.

Auf der IAA 1963 wurde nach langem Zögern des erste Serienauto mit Wankel-Kreiskolbenmotor vorgestellt. Es handelte sich um ein kleines Cabrio, dessen Verwandtschaft zu dem seit 1959 produziertem Sport-Prinz, einem Prinzen mit 600 ccm Viertakt-Twin-Motor und 30 PS mit Coupé-Karosserie vom italienischen Designer Nuccio Bertone nicht zu übersehen war.

Doch es sollte noch fast ein Jahr dauern bis die Serienfertigung des NSU Wankel-Spiders anlief. Zahlreiche Detailprobleme an dem neuen Motorkonzept erforderten intensive Nachbesserungen, bevor das kleine Auto mit nur 500 ccm Kammervolumen, aber einer Leistung von 50 PS den ersten Kunden überlassen werden konnte. Etliche von ihnen waren als enthusiastische Tester für das Betriebsverhalten des neuen Triebwerkes im rauhen Alltagsbetrieb herangezogen worden. So wurde vom Werk auch eine großzügige Kulanzregelung bei Motorproblemen geboten, meistens fielen zur damaligen Zeit nicht mehr Kosten als die einer großen Inspektion für die mutigen Kunden an. Per Expreß wurde ein Ersatzaggregat herangeschafft und gegen das waidwunde ausgetauscht. Die ausgebauten Motoren wurden im Werk auf ihre Schwächen untersucht, die häufigsten Ausfallursachen lokalisiert und sofort behoben und flossen als Verbesserungen in die laufende Kleinserienfertigung ein.

Um die Leistungsfähigkeit des neuen Triebwerkes eindrucksvoll zu beweisen, nahmen die Fahrzeuge an zahlreichen motorsportlichen Wettbewerben erfolgreich teil. Im Jahre 1966 wurde Karlheinz Pannowitz Deutscher Gran-Tourisme-Rallye Meister und 1967 wurde Siegfried Spieß auf dem NSU Wankel-Spider Deutscher Automobilbergmeister aller Hubraumklassen und Kategorien. Der bei Sportveranstaltungen als GT mit 1000 ccm eingestufte Spider, also 2/3 seines theoretisch möglichen Gesamthubraums. Noch heute werden Autos mit Wankelmotor in Deutschland nicht nach Hubraum, da es diesen ja eigentlich gar nicht gibt, sondern nach dem zulässigen Gesamtgewicht versteuert.
 

Nachdem erste sportliche Erfolge von Werksfahrzeugen gesammelt worden waren, entschloß man sich zu Anfang des Jahres 1966 für interessierte Sportfahrer eine Sonderserie mit einem getunten Motor, der jetzt 65 PS bei 7500 min-1 leistete, ein verbessertes Fahrwerk mit verstärkten Bremsen und geändertem Fahrwerk anzubieten. Diese Fahrzeuge wurden direkt vom Werk aus beim TÜV in Heilbronn im Einzelabnahme für den Straßenverkehr zugelassen. Da der Wankelmotor keine Nockenwelle und Ventile besitzt, war es ein leichtes den Motor durch Änderung des Einlaßkanals und die Verwendung einer optimal abgestimmten Abgasanlage an die neuen Bedingungen anzupassen. Da der Motor bei hohen Drehzahlen sich nicht selbst abregelt sind Drehzahlorgien bis in vierstellige Regionen möglich gewesen, was allerdings den zahlreichen filigranen Dichtelementen im Dauerbetrieb nicht besonders gut bekommen ist. Leistungssteigerungen bis zu 100 PS sind im reinen Rennbetrieb realisiert worden. 

Zum Fahren eines normalen Spiders im Alltagsbetrieb benötigt man keine besondere Eingewöhnungsphase, empfehlenswert ist doch der Blick auf den serienmäßigen elektronischen Drehzahlmesser, um den roten Bereich jenseits von 7500 min-1 nicht allzu oft zu ignorieren, da keinerlei mechanische Geräusche hier Einhalt gebieten. Mit wachsenden Drehzahlen gibt sich das kleine Kraftpaket, das fast unscheinbar ans Getriebe angeflanscht ist, mit turbinenartigen Laufeigenschaften wesentlich zufriedener als im etwas rauhen Leerlauf, wo es an einen Zweitaktmotor erinnert.

Im Wankelmotor läuft ein echter Viertaktprozeß ab, bei jeder Umdrehung der Exzenterwelle wird ein 270 Grad Arbeitstakt ausgeführt, dabei dreht sich der Läufer mit einem Drittel der abgegebenen Drehzahl in einer kreisenden Bewegung um die zentrale Exzenterwelle.

Doch trotz des wackeren Erscheinungsbildes und der hervorragenden Fahreigenschaften des kleinen Sportwagens kam er während seiner Bauzeit von 1964 bis 1967 nicht über eine Produktionszahl von 2375 Einheiten hinaus. Heute sind beim Kraftfahrtbundesamt in Flensburg noch 100 Fahrzeuge registriert. Sie verkörpern auch heute noch mit viel Aufwand in Betrieb gehalten, den Pioniergeist der NSU Konstrukteure und der Bereitschaft sich neuen Aufgaben zu stellen.

Der NSU Wankel-Spider lieferte für das Werk wertvolle Erkenntnisse über den neuen Motor und die Problematik des unsteten Fahrzeugbetriebes, die wertvolle Hilfen bei dem bereits in der Entwicklung befindlichen großen Wankel-Wagen, dem Ro80 lieferten, der in seinem Vorstellungsjahr als revolutionärstes Auto mit flüsterndem Wankelmotor und revolutionärem aerodynamischem Karosseriedesign neue avantgardistische Maßstäbe setzte und dafür zu Auto des Jahres 1967 gekürt wurde. Doch daß ist eine andere Geschichte.

Hier folgen noch einige selbstgemachte Fotos von verschiedenen Wankelsachen. Aus Platzgründen sind z. Zt. nicht alle Bilder anklickbar und in voller Größe darstellbar!

Motor vom Wasserski-Schleppgerät (1961)

> KKM 502 Motor Schnitt (1963)

Blick in den Spider Motorraum

Slalom-Spider D 1992

Mein Spider und Prinz III 1980

Ro 80 beim Int. NSU Treffen CH

Herkules W2000. English note: Staubsauger means "vacuum cleaner".Herkules W 2000 Motorrad, Aufgenommen auf der Motorshow Essen 1992

Eamon Hurley (HME at GB) Wankelsachen

Ro 80 3-Achser und Rennmotorrad mit Roots-Wankel 



Einige Wankel-Links
 
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Diese Info wurde zuletzt am 28.12..98 geändert von Gerhard Geiling, Kommentare und Fragen an GeGe

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