Wankel Spider Prototyp IAA 63



NSU Cabrio mit Wankel-Motor

Nachdem seit 1958 verschiedene Kreiskolbenmotoren eingehend erprobt wurden, ist 1963 erstmalig ein Kraftwagen mit dieser Antriebsmaschine offiziell der Öffentlichkeit vorgestellt worden. Es ist ein kleiner Sportwagen, der mit einem 50-PS-Kreiskolbenmotor ausgestattet ist und eine Geschwindigkeit von gut 150 km/h erreicht. Der Antriebssatz ist, wie bei allen damaligen NSU-Wagen, im Heck untergebracht.

Einscheiben-Wankel-Triebwerk

Nachdem man zunächst mit dem KKM 400 im Sportprinz eingehende Fahrversuche durchgeführt hatte, wurde eine Einkolbenmaschine mit 500 cm3 Kammervolumen ausgewählt.
 
Bild 5.13 Gesamtaufbau des Hecktriebsatzes KKM 502

Die Zusatzgeräte verdecken fast ganz den eigentlichen Motor, der nur eine flache Scheibe darstellt, an der der linke, dicke Kühlwasserschlauch befestigt ist. Im Vordergrund erkennt man den Dreiecks-Keilriemenantrieb für die Lichtmaschine und die Kühlwasserpumpe. Über der Lichtmaschine sitzt die Spezial-Zündkerze mit Ringelektrode (Elektrodenabstand 1 mm) und davor der Ölkühler. Auf der anderen Seite des Motors sind der Vergaser, die Kraftstoffpumpe und mittig der Zündunterbrecher angebracht. Über der Motorachse erkennt man den Öleinfüllstutzen mit Meßstab und Entlüftung.

Die Ansaugluft wird am Oberteil der Motorhaube im Strömungsbereich entnommen und gelangt über den Ansauggeräuschdämpfer als Vorvolumen zum Ölbadfilter neben dem rechten Hinterradkasten und über eine Schlauchleitung zum Vergaser. Es handelt sich um einen neu entwickelten Registervergaser mit zwei Stufen (TYP Solex 18/32 HHD). Die Abgase des Prototyp verlassen den Motor über einen mit Kühlrippen versehenen Gußkrümmer direkt zu dem quer im Heck angeordneten Schalldämpfer. Der Kolben des Wankel-Motors wird durch Öl gekühlt, das Gehäuse durch Wasser. Der Wasser- und Ölkreislauf sind zum Wärmetausch miteinander verbunden, der im Ölkühler erfolgt. Das Öl durchfließt hier ein Röhrensystem (glatte Pfeile), das vom Kühlwasser umspült wird (geschlängelte Pfeile). Für den Wasserumlauf sorgt eine Wasserpumpe, die von einem Keilriemen angetrieben wird. Das Wasser, das den Ölkühler verläßt, strömt in den Kühlmantel des Motorgehäuses und fließt oben rechts zum Kühler. Für den Kühlkreislauf des Öls sorgt eine Zahnradpumpe (rechts vor dem Ölfilter). Sie saugt das Öl aus der Motorwanne an, um es durch den Ölkühler vorgekühlt in den Motor zu drücken. Hier durchströmt es den hohlen Kolben, der durch ein inneres System von Kühlrippen überschüssige Wärme an das Öl abgeben kann. Das Kühlöl schmiert gleichzeitig den Kolben.

Beim Kühlsystem befindet sich der Wasserkühler trotz des Heckmotors im Bug des Fahrzeuges. Die Kühlwassermenge liegt bei 10 Litern. Das ergibt eine gleichmäßigere Belastung der Achsen. Ein thermostatisch geregeltes elektrisches Kühlgebläse schaltet sich automatisch ein, wenn der Fahrtwind allein zur Rückkühlung des Wassers nicht ausreicht. Solange der Motor noch kalt ist, fließt nur ein Teil des erwärmten Wassers durch die Zuleitung in den Kühler.

    

Bild 5.14 Kühlanlage des Spider-Wankel-Motors

Ein Teil fließt durch eine Abkürzung direkt vor dem Kühler gleich wieder zum Motor zurück. Erst bei einer bestimmten Temperatur sperrt ein Thermostat die Abkürzung. In den Kühlwasserkreislauf ist außerdem eine Klimaanlage mit Heizkörper und Lüfter eingeschaltet. Bei eingeschalteter Heizung fließt ein Teil des heißen Wassers durch Abzweigleitungen in den Innenraumheizer, der mit dem Warmluft-Ventilator verbunden ist.

Auf der Abtriebsseite des Motors ist die Schwungscheibe mit dem Zahnkranz für den Anlasser (1 PS) befestigt. In der Schwungscheibe befindet sich eine Einscheibenkupplung mit 180 mm Durchmesser. Das Getriebe besitzt vier vollsynchronisierte Vorwärtsgänge. Der Antrieb ist nach der Art des Volkswagens aufgebaut, d.h. von der Kupplung führt eine lange Welle zum Getriebe und dessen Hauptwelle mit den Kuppelrädern führt zurück zum Antriebsritzel mit Tellerrad und Ausgleichgetriebe. Die Seitenwellen haben Gelenke.

Fahrwerk und Karosserie

Die Vorderachse entspricht weitgehend der vom Sportprinz, also Einzelradaufhängung an Doppel-Querlenkern mit Schraubenfedern, hydraulischen Stoßdämpfern und Querstabilisator. Auch die Zahnstangenlenkung wurde vom Sportprinz übernommen.

Die Hinterradaufhängung wurde neu entwickelt. Die Räder sind an Schräglenkern aufgehängt, die durch eine Schraubenfeder abgefangen und einen von NSU selbst entwickelten Stoßdämpfer stabilisiert werden. Bei Schräglenkern werden beim Einfedern in der Kurve die Seitenführungskräfte selbsttätig erhöht.

 
 
Bild 5.15 GeplanteVorderrad- und Hinterradaufhängung des Spiders

Entsprechend der Fahrleistung mußten die Bremsen ausgelegt werden. Die Vorderräder haben deshalb Scheibenbremsen, die Hinterräder des Prototyp erhielten Trommelbremsen mit 200 mm Durchmesser, die Serienfahrzeuge dann ausreichende 180 mm Aluminiumtrommeln mit Stahlringeinlage aus der NSU-Serie.

Der Spider ist ein zweisitziges Sport-Cabriolet, das nur mit Klappverdeck hergestellt wird. Die Karosserie wurde in Anlehnung an die von Bertone geschaffene Sportprinz-Linie gestaltet. Sie ist selbsttragend und besitzt eine drehsteife Bodengruppe. Dadurch, daß der Motor mit seinen seitlich angesetzten Hilfsgeräten sehr flach ist, ergibt sich eine Unterflur-Bauweise, die einen zusätzlichen Nutzraum im Fahrzeugheck zuläßt, dessen Blechboden den Triebsatz abdeckt. Die Ausstattung des Fahrzeugs entspricht seiner sportlichen Note mit dem üblichen Tachometer und Motordrehzahlmesser. Das Klappverdeck läßt sich im Raum hinter den Sitzen versenken.

Es sollte noch nahezu ein Jahr dauern bis die ersten Wankel-Spider an die Händler ausgliefert werden konnten. Motor und Karosserie mußten sich noch einige Änderungen gefallen lassen. Der Serienmotor leistete nur noch 50 PS und hatte eine geänderte Trochoide. Er wurde zunächst mit Kohledichtleisten abgedichtet und bereitete noch Probleme mit der seitlichen Ölabdichtung. Die Plätze von Lichtmaschine und Wasserpumpe wurden getauscht und die Gleichstromlichtmaschine durch eine moderne, drehzahlfestere Drehstromlichtmaschine ersetzt. Der Auspuffkrümmer ging nun auch nicht mehr direkt in den Endschalldämpfer, sondern wurde in U-Form als hochwärmefestes Rohr vorn um das Getriebe herum durch einen Vordämpfer in den großen Endtopf geleitet. Das Endrohr mündete nun hinten rechts aus dem Fahrzeugheck.
 

Bild 5.16 KKM 502 Prototyp mit obenliegender Wasserpumpe,
55-PS-Motor, 2 mm Metalldichtleisten

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S203.htm, NSU-Fahrzeuge, Prototypen und Eigenbauten, G. Geiling, ISBN 3-924043-37-X
30.10.97