Citroën GS Birotor

Der neue Comotor Wankelmotor Typ 624 wurde für den Citroën GS Birotor entwickelt. Auf der IAA 73 stellte Citroën dann zum ersten Male den schon länger erwarteten Serienwagen mit Wankelmotor vor. Allerdings sollte der Citroën GS Birotor, wie der neue Wagen hieß, erst Anfang 1974 auf dem deutschen Markt verfügbar sein. Er erhielt einen Zweischeiben-Kreiskolbenmotor System NSU-Wankel, der in der deutsch-französischen Firma Comotor im Saarland produziert wurde. Entwickelt wurde der neue Wankelmotor bei NSU in Neckarsulm. Der Wagen entsprach von der Karosserie dem bewährten Citroën GS mit hydropneumatischer Federung und wurde mit dem Wankelantrieb serienmäßig mit einer Dreigang-Selektivautomatik mit Drehmomentwandler (System Borg-Warner) ausgerüstet. Mit dieser Bauart wurden die Erfahrungen vom Ro 80 genutzt und auf einen Mittelklassewagen angewendet.

Die Geschichte der deutsch-französischen Partnerschaft geht auf die 1964 gegründete Gesellschaft Comobil zwischen NSU und Citroën zurück, die gemeinsam einen Personenwagen mit Kreiskolbenmotor entwickeln wollten.

Die 1967 gegründete Gesellschaft Comotor zwischen den gleichen Partnern hatte die Herstellung und den Vertrieb des Kreiskolbenmotors zur Aufgabe, letzteres zunächst für den Ro 80. In einem neuen Werk in Altforweiler an der Saar wurde 1972 die Produktion eigener Wankelmotoren aufgenommen. Die Forschungen und Entwicklungen führten zunächst zu einem Einscheiben-Motor (KKM 613), der in den Prototyp M 35 eingebaut wurde und in einem Großtest in Kundenhand mit großzügigen Garantiebedingungen (siehe auch Seite 226) und ständiger Überwachung durch das Citroën-Werk getestet wurde.

Da sich die gebotenen Leistungen für ein Mittelklasse-Automobil als nicht ausreichend herausstellten und sich nicht genügend weit von dem normalen Citroën GS mit 50 PS Boxermotor abhoben, wurde parallel ein Zweischeibenmotor entwickelt, der bei Comotor gebaut werden sollte. Ende 1972 wurden die ersten Zweischeibenmotoren vom Typ KKM 624 produziert. Aufbau und Kammervolumen entsprach weitgehend dem R0 80 KKM 612 mit zwei Rotoren mit Umfangseinlaß und je einer Zündkerze Wasserkühlung (9:1) und Solex Doppelfallstromvergaser.

Der KKM 624 hat die folgenden technischen Daten:

Kammervolumen 2 x 497,5 cm3 
Verdichtungsverhältnis  9:1 (Normalbenzin)
Leistung 107 PS (78,8 kW) 
bei Drehzahl 6500 min-1 
max. Drehmoment 137 Nm bei 3000 min-1 
Läuferbreite 67 mm 
Exzentrizität 14 mm
Breite x Höhe x Länge  58 x 57 x 45 cm
Gewicht ca. 100 kg (Öl und Wasser incl.) 
Die Trochoidengehäuse sind aus einer Leichtmetall-Legierung gegossen und haben an den Laufflächen innen eine Nickel-Silizium-Beschichtung. Die Flansche vorn, in der Mitte und hinten bestehen aus Gußeisen, ebenso auch die Rotationskolben. Die Kurbelwelle mit den zwei um 180 Grad versetzten Exzentern ist aus Stahl hergestellt und durch kürzere Bauart biegesteifer als beim Ro 80.

Die Wasserkühlung des Trochoidengehäuses erfolgt mit 1 bar Überdruck und geht über den Kühler mit Expansionsgefäß und seitlichen Wasserkästen (Gesamtinhalt ca. 9 Liter). Zwei Elektroventilatoren versorgen den Kühler bei Bedarf mit ausreichendem Luftstrom.

Die Kraftstoffversorgung über einen Solex-Doppelvergaser 32 DDITS gewährleistet, daß jedes Trochoidengehäuse einen eigenen Vergaser hat. Eine elektrische Bendix-Benzinpumpe in Tanknähe wird durch ein Verzögerungsrelais so gesteuert, daß die Betriebsdauer aus Sicherheitsgründen auf 5 Sekunden begrenzt wird, sobald die Motordrehzahl unter 500 min-1 fällt. Die automatische Startvorrichtung ist mit einer Bimetallfeder ausgestattet.

Die Abgasreinigung wird beim Wankel-GS-Birotor durch Einblasen von Zusatzluft in Höhe der Auslaßöffnungen recht einfach. Der Auspuff enthält zuerst einen Reaktor für die Nachverbrennung und anschließend zwei Schalldämpfer. Zu den Abgasmaßnahmen gehört noch eine elektronische Anpassung der Vorzündung je noch Betriebsbedingungen, wie Schalthebelstellung, Motortemperatur und Drehzahl, Ansaugunterdruck und Betriebszeit. Der Motor des GS Birotor erfüllte damit die Abgasbedingungen anfangs der 70er Jahre.

Die elektrische Anlage wird aus der 760-W-Lichtmaschine und der 12-V-Batterie mit 70 Ah gespeist. Der Anlasser nimmt 1500 W ( ca. 2 PS) auf.

Je eine Beru- oder Bosch-Zündkerze wird durch die wartungsfreie elektronische Bosch-Hochspannungs-Kondensatorzündanlage gezündet. Serienmäßig wird ein Drehzahlmesser mit akustischem Warntonsignal bei überhöhter Drehzahl (6800 min-1) geliefert.

Die Kraftübertragung beim Birotor geht wie beim Ro 80 über einen auskuppelbaren Drehmomentwandler, der allerdings einen eigenen separaten Ölkreislauf besitzt, und ein mechanisches Getriebe mit drei synchronisierten Gängen, einem Rückwärtsgang und einer Verriegelung des Getriebes für die Parkstellung, nur ist das System von Borg-Warner. Die Übersetzungsverhältnisse und Fahrgeschwindigkeiten sind folgendermaßen ausgelegt:

 
Übersetzungs-  
Verhältnis 
Fahrgeschwindigkeit bei  
Motordrehzahl 1000 min-1 
1. Gang 2,1  12,705 km/h
2. Gang 1,2963  20,583 km/h
3. Gang 0,9091  29,350 km/h
Rückwärtsgang  2,3889 11,068 km/h 
Aus der Tradition von Citroën und NSU Ro 80 und K 70 war auch der GS Birotor als Frontantriebswagen konzipiert worden. Die Kraftübertragung auf die Vorderräder geht über homokinetische Gelenkwellen und Tripode-Gelenke an der Getriebeseite sowie Rzeppa-Kugelgelenke an der Radseite. Die Fahrleistungen entsprechen einem ganz normalem Wagen dieser Klasse.
 
Höchstgeschwindigkeit (DIN):  175 km/h
Normverbrauch (DIN): 14,08 1/100 km (Normalbenzin) 
Beschleunigung (Fahrer allein):  14 s (0... 100 km/)
 
 
Bild 5.69 Ersatzbild Citroën Birotor mit KKM 624
 
Bild 5.70 KKM 624 Motor

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S266.htm, NSU-Fahrzeuge, Prototypen und Eigenbauten, G. Geiling, ISBN 3-924043-37-X
30.10.97