NSU Fahrzeuge, Prototypen, Eigenbauten

(Auszug aus dem Buch o.a. Buchtitel von Gerhard Geiling. Bezug über das Internet beim Riek Verlag oder über den Buchhandel, ISBN-NR. 3-924043-37-X)

Hier sind die Originalseiten 15 - 23 wiedergegeben

Einführung

Die Ausführungen in diesem Buch sollen sich hauptsächlich mit der NSU-Nachkriegsautogeschichte und mit den Entwicklungen im Bereich Wankel beschäftigen. Verweise auf interessante Randgebiete erfolgen zur Vertiefung des Verständnisses selbstverständlich auch. Zur Auflockerung wird häufig einmal in die NSU-Szene abgeschweift und gezeigt, was die begeisterten Bastler und Tüftler früher und heute zustandegebracht haben.

Zur einführenden Übersicht sei hier im Anschluß die NSU-Geschichte seit 1873 in kurzer chronologischer Reihenfolge aufgeführt. Angefangen hatte alles im Jahre 1873 mit Christian Schmidt und Heinrich Stoll in Riedlingen an der Donau. Sie richteten eine mechanische Werkstatt zur Fabrikation von Strickmaschinen ein. Doch schon bald (1880) wurden die Räumlichkeiten zu klein und Herr Schmidt zog nach Neckarsulm um.

Bald verlegte man sich auf die Produktion von Fahrrädern. Als Auftragsarbeit wurden im Jahre 1888 auch Fahrgestelle für den vierrädrigen Daimler Stahlradwagen hergestellt. Seit 1890 wurden auch für die französischen Gebrüder Peugeot Fahrgestelle geliefert. Schon 1901 wurde das erste eigene Neckarsulmer Motorrad mit einem schweizerischen Zedel-Einbaumotor hergestellt und 1906 befaßte man sich mit der Herstellung von eigenen Automobilen. 1909 wurden mit Neckarsulmer Motorwagen bei der Prinz-Heinrich-Fahrt über 1836 km erste Sportlorbeeren gesammelt. Durch die massiven wirtschaftlichen Einbrüche nach dem Ersten Weltkrieg (1914- 1918) ging es zunächst mit einer den Verhältnissen angepaßten Motorradproduktion weiter, doch auch Automobilfahrgestelle, wurden stets gefertigt und die zugehörigen Karosserien hauptsächlich von Firma Drautz in Heilbronn gebaut.

Mit etlichen klaren Siegen auf der Avus Rennstrecke in Berlin in den Jahren 1921, 1923 und 1924 wurde NSU bekannt. 1925 stellte NSU mit seinem Sechszylinder-Kompressor-Rennwagen den Gesamtsieger des "Ersten Großen Preises für Sportwagen". Beim 1926er großen Preis konnten die offenen Sechszylinder in der Klasse bis 1,5-Liter sogar die ersten vier Plätze in ihrer Klasse belegen. Eines dieser Rennfahrzeuge wurde in den 60er Jahren zufällig in einem Keller in Berlin wiedergefunden, vom Werk erworben und restauriert. Heute kann man das Fahrzeug in der Ausstellungshalle des Werkes Neckarsulm bewundern und im September 1997 soll es der Öffentlichkeit während der Eiffel-Klassik vorgestellt werden.

Im Jahre 1927 wurde bei NSU das erste deutsche Fließband für Motorradproduktion in Betrieb genommen. Doch die aufstrebenden Pläne wurden durch die Weltwirtschaftskrise vom 24. Oktober 1929 zunichte gemacht. Wegen der wirtschaftlichen Flaute und des rasenden Geldwertverfalls wurde die gesamte Automobilproduktion mit allen technischen Anlagen an Fiat in Turin verkauft. In den nächsen Jahren erfolgte die Konzentration auf das Zweiradgeschäft.

Interessant für die Automobilidee dürfte noch der Prototyp Porsche Typ 32 sein. Für Ferdinand Porsche wurden bei NSU drei Versuchsexemplare mit Heckmotor und Einzelradaufhängung hergestellt, es handelt sich um Vorläufer des späteren VW Käfers. Durch glückliche Umstände überstand eines dieser Versuchsfahrzeuge alle Wirren des Zweiten Weltkrieges und ist heute im Volkswagen-Museum in Wolfsburg in gutem Zustand zu sehen.

Die ersten automobilähnlichen Produktionen nach 1929 waren die Kettenkräder ab 1941, die aus Restbeständen bis 1948 mit 1,5-Liter-Opelmotor als eine Mischung von kleinem Panzerfahrzeug und Motorrad hergestellt wurden. Genutzt wurden diese für schweres Gelände konzipierten Kettenfahrzeuge im zivilen Bereich vor allem in der Land- und Forstwirtschaft.

Doch mit dem beginnenden Wiederaufbau Ende der 40er Jahre bis hin zur zweiten Hälfte der 50er Jahre verlegte man sich bei NSU auf die Massenmotorisierung mit preisgünstigen Zweiradfahrzeugen. Angefangen vom Fahrrad über eine ganze Palette von Motorrädern, dem NSU-Autoroller, zunächst mit dem Innocenti Lambretta Lizenzbau über eine verbesserte Prima-D- Konstruktion und nicht zu vergessen, die in Millionenstückzahl hergestellten verschiedenen Quicklytypen. Mitte der 50er Jahre wurde NSU mit Hilfe der Mopeds der größte Zweiradproduzent der Welt. Zahlreiche Rennerfolge der zuverlässigen NSU-Zweiräder und etliche Weltrekorde trugen sicherlich zum guten Ansehen und der Verbreitung der NSU-Produkte bei.

Bild 2.1 NSU Prototyp für Porsche Typ 32

Eine Zusammenarbeit der NSU-Rennabteilung, unter der Leitung von Dr. Walter Froede und dem Erfinder Felix Wankel, der ein Forschungsinstitut für Abdichtungsprobleme in Lindau am Bodensee betrieb, führte 1953 zum Beschluß einen neuen Verbrennungsmotor zu konzipieren und als alternativen Antrieb zu entwickeln.

Doch das aufstrebende deutsche Wirtschaftswunder schaffte bei den Menschen im Lande neue Bedürfnisse, man wollte weg von dem wetterungeschützen Transport, hin zu einem komfortablen fahrbaren Untersatz. Gerade noch rechtzeitig hatte man bei den NSU-Motorenwerken den Zug der Zeit erkannt und sich auf das Automobilgeschäft zurückbesonnen. Wie die Entwicklung im einzelnen ablief, das ist in den nachfolgenden Kapiteln sicher tiefer zu ergründen.

Zur Übersicht ist nachfolgend eine tabellarische Aufstellung der NSU-Geschichte zu finden.

Auszüge aus der NSU Geschichte

Am 1. Februar wurde bereits der erste Rotationskolbenmotor auf dem Prüfstand der NSU-Forschungsabteilung in Neckarsulm angeworfen.

Im Monat Mai: Die ersten NSU Spider mit NSU-Wankel-Kreiskolbenmotor werden serienmäßig gebaut.

Bei der Internationalen Automobil Ausstellung in Frankfurt zeigt NSU den Automobilantrieb der Zukunft: Einen Doppel-Kreiskolbenmotor mit 2 x 500 cm3 Kammervolumen. Äußerlich klein in den Abmessungen leistet dieses Kraftpaket 115 DIN-PS.

Serienbeginn der 1,2-Liter-Vierzylinder-Motoren in der Baureihe des NSU 1200. Im September: Das 500000ste NSU-Automobil seit der Wiederaufnahme derAutoproduktion im Jahr 1957 verläßt das Fließband in Neckarsulm.

Erster großer Sporterfolg für den NSU-Wankel-Motor: Karl Heinz Panowitz wird Deutscher Grand Tourisme Rallye-Meister aller Klassen auf NSU-Wankel-Spider.

Ende Oktober geht der Ro80, eine schnelle Reiselimousine mit 4 Türen, 115-PS-Doppel-NSU-Wankel-Kreiskolbenmotor, Frontantrieb, Wasserkühlung, in Neckarsulm in Serie.

Von einer internationalen Jury (Motorfachjournalisten aus 12 Ländern) wird der NSU Ro 80 in Amsterdam zum "Auto des Jahres" und in London zum "Automobil mit dem größten technischen Fortschritt 1967" gewählt.

Siegfried Spiess wird auf NSU-Wankel-Spider Deutscher Automobil-Bergmeister aller Hubraumklassen.

Günther Irmscher gewinnt auf einem NSU TT die längste Automobil-Rallye der Welt mit 15000 km Gesamtlänge, die Tour d'Europe, als Gesamtsieger.

Am 15. Januar findet die erste Versammlung von Wankel-Spider- Enthusiasten in Oberursel bei Frankfurt statt. Aus ihr entsteht der NSU- Wankel-Spider-Club Deutschland.

"Traditionspflege der ehemaligen NSU Motorenwerke AG und der Audi NSU Auto Union AG auf dem Gebiet der von beiden Unternehmen hergestellten NSU-Erzeugnisse, einschließlich der von beiden Unternehmen entwickelten Kreiskolben-Technologie; Ankauf und Verkauf von Fahrzeugen, Herstellung, Ankauf und Verkauf von Zweirädern sowie von Ersatzteilen, Zubehörteilen und Werkzeugmaschinen für Kraftfahrzeuge und Zweiräder im Zusammenhang mit dem Markennamen NSU. Erhaltung und kommerzielle Nutzung des Markennamens NSU; Handel mit Waren und Dienstleistungen aller Art im Zusammenhang mit dem Markennamen NSU".

Bild 2.2 Kettenkrad mit 1,5 Liter Opelmotor, von 1941-48 gebaut